Inhalt8 Abschnitte
- Die sechs wichtigsten Cannabis-Terpene im Steckbrief
- Terpenprofil lesen: was wirklich auf dem Laborbericht steht
- Entourage-Effekt: was belegt ist und was Marketing bleibt
- Warum Terpene beim Verdampfen erhalten bleiben, und beim Verbrennen nicht
- Terpene in CBD- und THCX-Blüten: worauf du beim Kauf achtest
- Terpene kaufen: Isolate, Mischungen und was das Gesetz sagt
- Fazit: Das Profil schlägt den Sortennamen
- Häufige Fragen

Fangen wir beim kleinsten Baustein an: Isopren, eine C5-Einheit aus fünf Kohlenstoffatomen. Terpene sind eine große, heterogene Verbindungsgruppe, und ihr gemeinsames Strukturmerkmal ist genau das: Das Grundgerüst lässt sich immer auf Isopren-Einheiten zurückführen. Alles Weitere ist Kombinatorik.
Zwei Einheiten ergeben ein Monoterpen (C10), drei ein Sesquiterpen (C15). Diese Molekülgröße entscheidet über alles, was du später riechst.
- Monoterpene (C10, rund 136 g/mol): Myrcen, Limonen, α-Pinen. Geringe Molmasse, hoher Dampfdruck, sie steigen dir als Erstes in die Nase.
- Sesquiterpene (C15, rund 204 g/mol): β-Caryophyllen, Humulen. Schwerer, träger, höher siedend. Sie bleiben im Glas, wenn die leichten längst weg sind.
Riechen kannst du ein Molekül nur, wenn es in die Gasphase übergeht. Terpene tun das schon bei Raumtemperatur, wandern zum Riechepithel und binden dort an Duftrezeptoren. Genau deshalb verrät dir eine Blüte ihr Profil, bevor du sie überhaupt anfasst.
Cannabis-Terpene sind dabei nichts Exklusives. Dieselben Moleküle riechst du im Kiefernwald, an einer Zitrusschale, in Hopfendolden und beim Pfeffermahlen. Von Rosmarin bis ins Gewürzregal: Das Vorkommen ist breit, botanisch besonders an der Hanfpflanze ist nur, dass die Trichome Terpene und Cannabinoide gleichzeitig produzieren.
Was in vielen Texten dann folgt, sind Zuschreibungen zu einzelnen Terpenen, die die Datenlage schlicht nicht hergibt. Solche Wirkversprechen wirst du hier nicht lesen. Wir gehen stattdessen analytisch der Reihe nach vor: die sechs Leitterpene mit belegten Siedepunkten, das Lesen eines Laborberichts, das Zusammenspiel von Cannabinoiden und Terpenen, Verdampfen statt Verbrennen, Kauf und Lagerung sowie die Rechtslage.
Das Wichtigste in 30 Sekunden
Terpene sind aromatische Moleküle aus Isopren-Einheiten, deren Größe (Monoterpene wie Myrcen (erdig, moschusartig) oder Sesquiterpene wie Caryophyllen (wurzig, pfeffrig)) über Duft und Siedepunkt entscheidet. Ein Certificate of Analysis liefert die messbaren Fakten, während der sogenannte Entourage-Effekt zwischen Cannabinoiden (THC, CBD) bislang wissenschaftliche Hypothese bleibt, dokumentiert etwa in Studien via PubMed/NCBI (ncbi.nlm.nih.gov, PMID/PMCID).
- Molekülgröße bestimmt Flüchtigkeit: leichte Monoterpene verdampfen zuerst, schwerere Sesquiterpene folgen bei höheren Temperaturen.
- Ein Terpenprofil im Laborbericht zeigt Gesamtgehalt, Einzelwerte, Nachweisgrenze und Chargennummer, erst diese vier Angaben machen die Analyse belastbar.
- Isolierte Terpene gelten rechtlich als Aromastoffe nach Lebensmittel- und Kosmetikrecht, unabhängig vom Konsumcannabisgesetz, das die Blut-Hirn-Schranke und Cannabinoidwirkungen nicht berührt.
Die sechs wichtigsten Cannabis-Terpene im Steckbrief
Sechs bis sieben Namen. Mehr tauchen auf einem realen Laborbericht praktisch nie auf, obwohl die Pflanze je nach Quelle zwischen rund 100 und 200 Terpene mitbringt. Die Spanne kommt daher, dass manche Zählungen nur analytisch gesicherte Hauptverbindungen aufnehmen, andere jede Spur mitzählen.
Für die Praxis reicht die kurze Liste. Genau die stelle ich dir hier vor, samt Siedepunkten, die ich Molekül für Molekül nachgeschlagen habe.
| Terpen | Geruch / Geschmack | Kommt auch vor in | Siedepunkt (ca.) |
|---|---|---|---|
| Myrcen | erdig, moschusartig, reife Mango | Hopfen, Mango, Thymian | ~167 °C |
| Limonen | Zitrusschale, frisch, leicht bitter | Zitrone, Orange, Wacholder | ~176 °C |
| Linalool | blumig, süßlich | Lavendel, Koriander, Basilikum | ~198 °C |
| α-Pinen | Kiefernnadel, harzig | Nadelholz, Rosmarin, Salbei | ~155 °C |
| Terpinolen | frisch, Apfel, Tanne | Muskatnuss, Teebaum, Apfel | ~186 °C |
| β-Caryophyllen | pfeffrig, würzig, holzig | schwarzer Pfeffer, Nelke | ~260 °C bei Normaldruck (130–160 °C bei Unterdruck, quellenabhängig) |
| Humulen | holzig, hopfig, trocken | Hopfen, Ingwer, Ginseng | ~106–107 °C bei 5 mmHg Unterdruck; bei Normaldruck deutlich höher als alle Monoterpene |
Alle Siedepunkte in dieser Tabelle stammen aus den Stoffdatenblättern der PubChem-Datenbank des US-amerikanischen NCBI, für Humulen bei 5 mmHg Unterdruck, weil PubChem für dieses Molekül keinen Normaldruckwert führt. Ich gebe sie bewusst gerundet und mit „ca.“ an. Wer dir 167,3 °C auf die Nachkommastelle verkauft, hat die Messbedingungen nicht mitgelesen.
Dasselbe Problem betrifft β-Caryophyllen: Je nach Datensatz stehen dort laut PubChem Werte zwischen etwa 130 °C und 160 °C. Das ist kein Widerspruch, sondern eine Frage von Reinheit, Isomerengemisch und Druck.
Für dich in der Praxis heißt das nur eines: Das Sesquiterpen ist deutlich hitzestabiler als die leichten Monoterpene.
Und apropos β-Caryophyllen: Es ist das einzige bekannte Cannabis-Terpen, das nachweislich an den CB2-Rezeptor des Endocannabinoid-Systems bindet. Beschrieben hat das die Arbeitsgruppe um Jürg Gertsch 2008 in den Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS), unter dem Titel „Beta-caryophyllene is a dietary cannabinoid“. Das ist eine rein pharmakologische Beobachtung im Labor, aus der sich für dich als Konsument keinerlei Nutzen ableiten lässt.
Bei den Pinenen lohnt der Blick aufs Detail, denn es existieren zwei Isomere: α-Pinen und β-Pinen. Chemisch unterscheiden sie sich lediglich in der Position der Doppelbindung, olfaktorisch dagegen deutlich.
α-Pinen erinnert an Kiefernnadeln, β-Pinen geht Richtung Dill, Petersilie und trockenes Holz. Auf vielen Analysezertifikaten stehen beide getrennt ausgewiesen, und genau da trennt sich ein sauberes Labor vom Copy-Paste-Report.
Terpenprofil lesen: was wirklich auf dem Laborbericht steht
Die Namen aus der vorigen Tabelle werden erst dann konkret, wenn du sie auf einem echten Zertifikat wiederfindest. Ein Certificate of Analysis (COA) ist kein Marketingblatt, sondern ein Messprotokoll. Und es liest sich in vier Zeilen.
- Gesamtterpengehalt in Prozent (%) oder mg/g: die Summe aller quantifizierten Verbindungen, nicht der Gehalt eines einzelnen Terpens.
- Einzelwerte je Terpen, meist nach Höhe sortiert. Die obersten drei prägen das, was du beim Öffnen des Glases wahrnimmst.
- Methode und Nachweisgrenze (in der Regel GC-MS mit LOQ-Angabe): darunter liegende Werte gelten als „nicht bestimmbar“, nicht als „nicht vorhanden“.
- Chargennummer und Analysedatum. Ein Terpenprofil ohne Charge gehört zu keiner Blüte, die du in der Hand hältst.
Der eigentlich aussagekräftige Parameter ist das Dominanzverhältnis: nicht der Spitzenwert allein, sondern sein Abstand zum zweiten Platz. Liegt Platz eins etwa doppelt so hoch, riecht die Sorte eindeutig nach diesem einen Ton. Liegen die drei ersten nah beieinander, bekommst du eine gemischte Nase, die sich beim Verdampfen in Etappen öffnet.
Aus den Profilen lassen sich drei wiederkehrende Chemotypen ableiten. Myrcen-dominant heißt erdig, moschusartig, mit Hopfennote; Myrcen zählt zu den am häufigsten vorkommenden und am besten untersuchten Cannabis-Terpenen und steckt auch in Thymian, Zitronengras und Lorbeerblatt. Limonen-dominant gibt die helle, säuerliche Zitrusspitze, die den Geschmack beim Zug frischer wirken lässt.
Bleibt der dritte Typ: caryophyllen-dominant, wurzig pfeffrig, trocken, mit Nelkenkante. Diese Profile riechen weniger „süß“ und werden von Einsteigern oft für weniger aromatisch gehalten, obwohl der Gesamtterpengehalt hoch sein kann.
Und genau an dieser Stelle scheitert die Einteilung in Sativa, Indica und Hybride. Hazekamp und Fischedick zeigten 2012 in einer chemometrischen Auswertung kommerzieller Cannabisproben, dass sich die chemischen Cluster nicht mit den vergebenen Sortenlabels deckten. Zwei Blüten mit demselben Etikett können völlig verschiedene Terpenprofile haben, zwei mit gegensätzlichem Label fast dasselbe.
Praktisch heißt das: Lies das Profil, nicht das Label. Eine Purple Haze wird klassisch über Beere und Zitrone beschrieben, eine Gelato 33 über süße, cremige Dessertnoten, eine Big Buddha über schwere, erdige Tiefe. Diese Aromabeschreibungen sind der ehrliche Teil einer Produktseite; die Prozentwerte dahinter liefert nur das Zertifikat.
Entourage-Effekt: was belegt ist und was Marketing bleibt
Vom Messwert zur Wirkung ist es ein weiterer Sprung, als die meisten Ratgeber zugeben. Genau an dieser Stelle rutschen sie vom Laborbericht ins Versprechen. Ich gebe dir deshalb den Maßstab, mit dem du jede Aussage über cannabis terpene wirkung selbst prüfen kannst.
Die gesamte Debatte hängt an einer einzigen Arbeit: Ethan B. Russo, „Taming THC: potential cannabis synergy and phytocannabinoid-terpenoid entourage effects“, British Journal of Pharmacology 2011;163(7):1344-64. Russo selbst formuliert den Entourage-Effekt dort ausdrücklich als Hypothese, nicht als Nachweis.
Seine These lautet: Terpene könnten die Wirkung von Cannabinoiden wie THC modulieren, statt selbst zu wirken. Das ist ein Vorschlag für weitere Forschung, kein Ergebnis.
Seitdem ist die Datenlage dünn geblieben. Es existieren In-vitro-Versuche an Zellkulturen und pharmakologische Beobachtungen, aber kaum kontrollierte Humanstudien, die den Effekt sauber isolieren. Wer daraus eine belegte Wirkung macht, überdehnt seine eigene Quelle.
Bleibt die Blut-Hirn-Schranke, das Lieblingsargument aller Terpen-Marketer. Analytisch seriös sagen lässt sich: kleine, lipophile Moleküle können diese Barriere grundsätzlich passieren, und für einzelne Monoterpene ist genau das im Tiermodell beschrieben. Was daraus für dein Erleben nach einem Zug folgt, ist damit eben nicht gezeigt.
Ähnlich bei ätherischen Ölen: dass ein Duft die Stimmung beeinflusst, ist Alltagserfahrung und Gegenstand der Aromaforschung. Ein Terpenwert in Prozent bleibt trotzdem eine Konzentrationsangabe, keine Wirkungsangabe. Hier die Trennlinie im Überblick:
| Aussage | Status | Was seriös gilt |
|---|---|---|
| Terpene prägen Geruch und Geschmack einer Sorte | Belegt | Analytisch messbar, sortentypisch |
| Terpene modulieren die Wirkung von Cannabinoiden | Hypothese (Russo 2011) | Plausibel, am Menschen nicht bestätigt |
| „Myrcen macht müde“, „Limonen macht glücklich“ | Erfahrungsbericht | Subjektiv, nicht kontrolliert erhoben |
| Wirkungstabelle mit Beschwerdebildern | Marketing | Keine Evidenzbasis, rechtlich unzulässig |
Mein Fazit aus zwölf Jahren Phytochemie: die belastbare Ebene liegt bei den Cannabinoiden, nicht bei den Aromastoffen. Wo die pharmakologischen Unterschiede tatsächlich liegen, liest du im Unterschied zwischen CBD und THC.
Für CBD gilt in Deutschland zudem ein eigener lebensmittel- und arzneimittelrechtlicher Rahmen. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) fasst ihn in seiner FAQ zusammen[4].
Warum Terpene beim Verdampfen erhalten bleiben, und beim Verbrennen nicht
Aus den Siedepunkten folgt eine sehr praktische Entscheidung: geregelte Temperatur oder offene Flamme. Welche Geräte das sauber können, vergleicht der Ratgeber zu Vaporizern für THC und Hanfblüten. Der Unterschied ist keine Geschmacksnuance, sondern ein physikalischer Zustandswechsel. Verdampfen überführt ein Molekül intakt in die Gasphase, Verbrennen zerlegt es.
An der Glut einer brennenden Blüte herrschen Bedingungen weit jenseits von 400 °C. Dort setzt Pyrolyse ein: die Moleküle werden thermisch aufgespalten, lange bevor sie deine Nase erreichen. Was du dann schmeckst, sind Zersetzungsprodukte, nicht das Profil der Sorte.
Für ein Terpen mit einem Siedepunkt im Bereich 155–200 °C ist eine Flamme also kein Verdampfer, sondern ein Ofen mit dem Faktor zwei bis drei zu viel. Das Aromaprofil, für das du auf dem Laborbericht bezahlt hast, ist in diesem Moment thermischer Totalverlust.
Wie flüchtig diese Stoffklasse insgesamt ist, zeigt allein ihr Umfang: über 8.000 verschiedene Terpene sind in Pflanzen beschrieben, und praktisch alle sind genau deshalb Aromastoffe, weil sie schon bei moderater Hitze in die Gasphase übergehen (chemie.de, Lexikon Terpene).
Im Fenster zwischen 160 °C und 190 °C läuft dagegen etwas Geordnetes ab. Die Verbindungen gehen nacheinander über, sortiert nach ihrem Siedepunkt, nicht alle auf einmal:
- 160–175 °C: die leichten Monoterpene zuerst. Zitrus, Kiefer, das erste frische Aroma im Zug.
- 175–190 °C: die schwereren, blumigen und pfeffrig-holzigen Anteile ziehen nach. Der Geschmack wird runder und dunkler.
- darüber: röstige, bittere Noten dominieren, das ursprüngliche Profil tritt zurück.
Präzise Temperatursteuerung ist deshalb kein Gadget, sondern das eigentliche analytische Werkzeug. Der VENTY Vaporizer (349,90 €, Stand September 2026) regelt gradgenau und hält die eingestellte Temperatur auch beim Ziehen, statt sie einbrechen zu lassen. Genau das entscheidet, ob du einzelne Terpenfraktionen sauber trennst oder alles in einer Wolke vermischst.
Wer die thermische Stabilität einzelner Verbindungen selbst nachlesen will, findet die Originalarbeiten über PubMed mit der jeweiligen PMID. Für den Alltag reicht eine Faustregel: unter 200 °C schmeckst du die Pflanze, darüber schmeckst du die Hitze.
Terpene in CBD- und THCX-Blüten: worauf du beim Kauf achtest
Ein Gerät mit präziser Temperaturkontrolle nützt dir wenig, wenn die Blüte schon beim Kauf ausgeatmet hat. Der Terpengehalt entsteht im Anbau und verflüchtigt sich in der Lagerung. Beides lässt sich beurteilen, bevor du die Tüte öffnest.
Indoor- und Outdoor-Anbau unterscheiden sich chemisch stärker im Terpenprofil als im Cannabinoidwert. Unter Kunstlicht sind Lichtspektrum, Temperatur und Erntezeitpunkt kontrollierbar, die Trichome bleiben mechanisch intakt. Draußen sorgen UV-Strahlung, Niederschlag und Temperaturschwankungen dafür, dass das Vorkommen einzelner Terpene von Ernte zu Ernte messbar schwankt.
Deshalb ist die groß gedruckte Prozentzahl auf der Packung der schwächere Qualitätsindikator. Zwei Chargen derselben Sorte können identisch deklariert sein und völlig verschieden riechen. Das Aromaprofil verrät dir mehr über die Sorgfalt beim Trocknen und Curen als jeder Gehaltswert.
Ein praktischer Ankerpunkt beim Schnuppern: Myrcen. Es gilt in der Fachliteratur als das am häufigsten vorkommende und am besten erforschte Cannabisterpen. Wenn dir bei einer Blüte die typisch erdig-fruchtige Note komplett fehlt, ist das für mich ein erstes Warnsignal in Richtung Überlagerung.
Können Cannabis-Terpene nach dem Kauf einfach verschwinden? Ja, und das erstaunlich schnell. Terpene sind laut dem Chemie-Lexikon von chemie.de Hauptbestandteil der in Pflanzen produzierten ätherischen Öle. Und wie jede flüchtige Ölfraktion reagieren sie auf Licht, Sauerstoff und Wärme.
- Dunkelheit: UV-Licht treibt die Oxidation an, also Braunglas oder blickdichte Dosen statt Klarsicht-Beutel.
- Luftdicht: Sauerstoff wandelt Terpene in ihre oxidierten Formen um, der Geruch wird flach und heuartig.
- Kühl, aber nicht kalt: Wärme erhöht den Dampfdruck; im Kühlschrank droht dafür Kondenswasser.
Vor dem Kauf hilft ein kurzer Dreifach-Check: Wie intensiv riecht es beim Öffnen, wie dicht und milchig sitzen die Trichome, und liegt überhaupt ein Zertifikat vor? Fehlt der dritte Punkt oder bleibt er auf Cannabinoide beschränkt, frag gezielt nach. Die vier Angaben eines vollständigen Berichts kennst du aus dem Abschnitt zum Laborbericht.
In unserem Sortiment sehe ich das Aromaargument dort am deutlichsten, wo nach Geruch kuratiert wird: in der THCX-Blüten-Kollektion, ab 23,70 € (Stand 09/2026). THCX ist dabei, im Rahmen von § 1 KCanG für Nutzhanf, kein Molekülname, sondern eine Produktbezeichnung für eine Hanf-Formulierung mit Neo-Cannabinoiden.
Nachprüfbar ist daran vor allem eines: Jede Charge wird im Labor gezielt auf die gelisteten Substanzen untersucht, keine davon ist nachweisbar, und der Analysebericht ist zu jeder Charge einsehbar. Legal ist das Produkt genau deshalb, weil es kein verbotenes Molekül enthält.
Für dich zählt beim Öffnen trotzdem dasselbe wie bei CBD-Blüten: Ein Cannabis-Terpen, das du riechst, ist noch in der Blüte. Eines, das du nicht riechst, kommt auch beim Verdampfen nicht zurück.
Terpene kaufen: Isolate, Mischungen und was das Gesetz sagt
Wer das Aroma nicht in der Blüte sucht, sondern im Fläschchen, landet bei isolierten Terpenen. Der Markt dafür ist groß, unübersichtlich und rechtlich deutlich einfacher, als die meisten annehmen.
Ein isoliertes Terpen ist rechtlich ein Aromastoff, kein Betäubungsmittel. Limonen oder Linalool in Lebensmittelqualität werden nach Lebensmittel- und Kosmetikrecht gehandelt, samt Kennzeichnung, Reinheitsangabe und Sicherheitsdatenblatt. Das Konsumcannabisgesetz regelt Cannabis und seine Cannabinoide, nicht die Aromenchemie.
Der zweite Punkt ist analytisch noch spannender: Was im Handel als „Cannabis-Terpene“ firmiert, stammt in der Regel gar nicht aus Hanf. Zitrusschalen, Hopfenzapfen und Nadelholz liefern dieselben Monoterpene billiger und in höherer Ausbeute, und das Molekül bleibt Molekül.
Worauf du beim Kauf achtest, ist entsprechend nüchtern:
- Qualitätsstufe: Lebensmittel- oder Kosmetikqualität, nicht „technisch“.
- Herkunft benannt: botanisch (Zitrus, Hopfen, Kiefer) oder aus Hanf, mit Chargennummer.
- Sicherheitsdatenblatt vorhanden: ohne dieses Dokument kein seriöses Konzentrat.
- Keine Wirkversprechen auf dem Etikett: ein Aromastoff, der Gesundheitsaussagen trägt, ist falsch deklariert.
Und dann die Grenze, die im Marketing gerne verwischt wird: Ein Aromastoff verändert den rechtlichen Status eines Produkts nicht. Wer Isolate kauft, kauft Geruch und Geschmack, sonst nichts.
Das gilt auch für den Versuch, das Zusammenspiel von Terpenen und Cannabinoiden im Wohnzimmer nachzubauen. Ein Fläschchen Limonen ergibt kein Sortenprofil, denn in einer Cannabisblüte stehen hunderte Verbindungen in einem gewachsenen Verhältnis zueinander: Cannabinoide, Terpene, Flavonoide. Wie belastbar solche Kombinationsaussagen wirklich sind, ordnet „Entourage-Effekt: was belegt ist und was Marketing bleibt“ ein.
Für die Cannabinoid-Seite, also die Frage nach THC, CBD und ihren Unterschieden, gilt ohnehin ein völlig anderes Regelwerk als für Aromastoffe. Terpene aus Cannabis kaufen heißt: Aromachemie kaufen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Fazit: Das Profil schlägt den Sortennamen
Kurz gesagt: Analytik schlägt Etikett, „Indica“ oder „Sativa“ ersetzt kein COA.
Häufige Fragen
Was sind Terpene?
Terpene sind eine große, heterogene Gruppe von Kohlenstoffverbindungen, deren Grundgerüst sich immer auf Isopren-Einheiten (C5) zurückführen lässt. Zwei Einheiten ergeben ein Monoterpen, drei ein Sesquiterpen. Sobald ein Sauerstoffatom im Molekül sitzt, spricht man streng chemisch korrekt von einem Terpenoid statt einem Terpen.
Welche Terpene gibt es in Cannabis?
Die Pflanze bringt je nach Zählweise zwischen rund 100 und 200 Terpene mit, auf einem realen Laborbericht tauchen aber praktisch nur sechs bis sieben Namen auf. Details zu Geruch, Vorkommen und Siedepunkt findest du im Abschnitt „Die sechs wichtigsten Cannabis-Terpene im Steckbrief“.
Was macht Beta-Caryophyllen besonders?
Beta-Caryophyllen ist wurzig pfeffrig im Geruch und das einzige bekannte Cannabis-Terpen, das nachweislich an den CB2-Rezeptor bindet, beschrieben 2008 von Gertsch und Kollegen in PNAS. Zudem ist es als Sesquiterpen deutlich hitzestabiler als die leichten Monoterpene wie Myrcen erdig moschusartig oder Limonen.
Welche Terpene haben welche Wirkung?
Belastbare Wirkaussagen zu einzelnen Terpenen liefert die Datenlage nicht; die gesamte Entourage-Debatte stützt sich im Kern auf eine einzige Arbeit von Ethan Russo (2011), die er selbst ausdrücklich als Hypothese formuliert. Prüfe solche Behauptungen daher immer gegen die Originalquelle, etwa über PubMed NCBI NLM oder eine PMID PMCID PMC Angabe.
Wie liest man ein Terpenprofil?
Siehe dazu den Abschnitt „Terpenprofil lesen: was wirklich auf dem Laborbericht steht“, der die vier relevanten Zeilen eines Certificate of Analysis erklärt. Entscheidend ist zusätzlich das Dominanzverhältnis: Liegen die drei Spitzenwerte nah beieinander, öffnet sich das Aroma beim Verdampfen in Etappen statt in einer klaren Note.
Sind Terpene in Deutschland legal?
Ein isoliertes Terpen gilt rechtlich als Aromastoff und nicht als Betäubungsmittel, es unterliegt Lebensmittel- und Kosmetikrecht mit Kennzeichnungspflicht und Sicherheitsdatenblatt. Das Konsumcannabisgesetz regelt nur Cannabis und seine Cannabinoide, weshalb ein Etikett mit Gesundheitsaussagen als falsch deklariert gilt.
Quellen
- Konsumcannabisgesetz (KCanG) — Gesetze im Internet, Bundesministerium der Justiz — www.gesetze-im-internet.de
- Medizinisches Cannabis — Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), Bundesopiumstelle — www.bfarm.de
- Fragen und Antworten zu den gesundheitlichen Risiken von hanfhaltigen Lebensmitteln und Futtermitteln — Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) — www.bfr.bund.de
- Hanf, THC, Cannabidiol (CBD) und Co — FAQ des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) — www.bvl.bund.de
- Verordnung (EU) 2015/2283 über neuartige Lebensmittel — EUR-Lex — eur-lex.europa.eu
- Verordnung (EU) 2021/2115, Art. 4 — Hanfflächen nur förderfähig bei einem THC-Gehalt von höchstens 0,3 % — EUR-Lex — eur-lex.europa.eu
- Gertsch J. et al., Beta-caryophyllene is a dietary cannabinoid, PNAS 2008 — doi.org
- Hazekamp A., Fischedick J.T., Cannabis – from cultivar to chemovar, Drug Testing and Analysis 2012 — doi.org
- Russo E.B., Taming THC: potential cannabis synergy and phytocannabinoid-terpenoid entourage effects, British Journal of Pharmacology 2011 — doi.org
- PubChem, Stoffdatenbank des NCBI (Siedepunkte der Terpene) — pubchem.ncbi.nlm.nih.gov
- Terpene – Lexikon, chemie.de — www.chemie.de


















