Inhalt9 Abschnitte
- Indica oder Sativa? Die kurze Antwort, plus Vergleichstabelle
- Woher die Einteilung kommt: Linné, Lamarck und ein offener Streit
- Warum das Etikett heute kaum noch etwas trennt
- Was den Unterschied wirklich prÀgt: das Terpenprofil
- Eine Produktseite lesen statt einem Etikett glauben
- Drei Sorten als Lesehilfe, kein Ranking
- Wozu die Einteilung trotzdem noch taugt
- Fazit
- HĂ€ufige Fragen

Du stehst vor zwei Produktseiten, auf der einen steht Indica, auf der anderen Sativa, und irgendwo hat dir eine Tabelle schon erklĂ€rt, was das angeblich mit dir macht. Genau dort beginnt das MissverstĂ€ndnis. Suchbegriffe wie âWirkung Cannabis Sativa“ fĂŒhren fast immer zu denselben zwei Spalten, und die halten der Botanik nicht stand.
Indica und Sativa sind zwei Wuchsformen derselben Pflanzenart, Cannabis sativa L. Unterschieden wurden sie historisch an Wuchs und Blattform, nicht an einer gemessenen Wirkung. Im Handel ist heute praktisch alles hybrid, reine Sativa Sorten oder reine Indicas sind die Ausnahme. Was du wahrnimmst, hÀngt eher am Terpenprofil und am Gehalt als am Etikett.
Botanisch stammt Cannabis sativa aus einem gemeinsamen asiatischen Ursprungsraum, aus dem sich die Formen in sehr verschiedene Klimazonen verteilt haben. Schon die klassische Revision von Small und Cronquist (1976) fasste beide Formen taxonomisch unter einer einzigen Art zusammen. Der sativa indica unterschied beschreibt also zwei Anpassungen, keine zwei Wirkstoffklassen.
| Merkmal | Indica | Sativa |
|---|---|---|
| Wuchsform | kompakt, buschig, kurze Internodien | hoch, schlank, weit gestellte Zweige |
| Blattform | breite, kurze FingerblĂ€tter, dunkelgrĂŒn | schmale, lange FingerblĂ€tter, hellgrĂŒn |
| Herkunftsraum | trockene Höhenlagen SĂŒd- und Zentralasiens | Ă€quatoriale, feuchtwarme Regionen |
| Typische Terpenrichtung | oft myrcen- und caryophyllenbetont, erdig, wĂŒrzig | oft limonen- und pinenbetont, zitrisch, harzig |
| Was das Etikett heute aussagt | eine Herkunftsgeschichte und eine grobe Aromarichtung, keine MessgröĂe | |
| Was im Handel real ist | Hybriden mit Anteilen beider Linien, gekennzeichnet nach dominanter Familie | |
Ob eine BlĂŒte als Sativa Cannabis oder als Indica ausgewiesen wird, sagt dir analytisch deutlich weniger, als du denkst. NĂŒtzlich wird die Einteilung erst, wenn du sie zusammen mit den Angaben auf der Produktseite liest, also mit Cannabinoidgehalt und Terpenrichtung; die Chargenanalyse bekommst du auf Nachfrage beim Kundenservice.
Das Wichtigste in 30 Sekunden
Indica und Sativa sind zwei historische Wuchsformen derselben Art, Cannabis sativa L., beschrieben 1753 und 1785 an Blattform und Habitus, nie an einer gemessenen Wirkung. Im Handel ist heute praktisch alles hybrid.
- Genomstudien zeigen, dass Handelsbezeichnungen mit der tatsĂ€chlichen Verwandtschaft nur schwach ĂŒbereinstimmen.
- Was du wahrnimmst, hÀngt am Terpenprofil und am Cannabinoidgehalt der Charge, nicht am Etikett.
- Lies auf der Produktseite Gehalt, dominante Terpene und Format; die Chargenanalyse mit PrĂŒfdatum gibt es auf Nachfrage.
Indica oder Sativa? Die kurze Antwort, plus Vergleichstabelle
Kurz beantwortet: Der Unterschied ist ein Wuchsunterschied, kein Wirkungsunterschied. Die botanische Systematik fĂŒhrt beides heute ĂŒberwiegend als eine einzige, formenreiche Art, Cannabis sativa L.; die jahrzehntelange Kreuzung hat die Linien so vermischt, dass ihre Unterscheidung nach McPartland (2018) âfast bedeutungslos“ geworden ist. Im Handel ist praktisch alles hybrid.[3]
So deutlich, wie es die Datenlage hergibt: Was unter dem Stichwort wirkung sativa indica kursiert, ist eine Zuschreibung aus der Konsumkultur, keine belegte Regel. Die beiden Namen beschreiben Morphologie und HerkunftserzÀhlung einer Linie, sonst nichts.

Wenn eine Produktseite von indica dominanten Sorten spricht, meint sie ein MischungsverhĂ€ltnis innerhalb einer Hybride, keine zweite Pflanzenart. Die Steckbrief-Tabelle oben ist dein Raster fĂŒr den Rest des Artikels: rein beschreibend, ohne Versprechen.
Optisch bleibt der Unterschied lesbar: als indica cannabis beschriebene Pflanzen sind meist kompakter und breitfingriger, sativa-geprĂ€gte schlanker und feingliedriger. Auf der Verkaufsware siehst du davon nichts mehr, weil dort nur noch die BlĂŒte liegt, also das Endprodukt ohne Habitus.
Wer nach âwirkung sativa“ oder nach indica sativa cannabis sucht, landet fast immer bei zwei Spalten mit GefĂŒhlszustĂ€nden. Diese Spalten stammen aus Foren und Shopbeschreibungen, nicht aus der Botanik. FĂŒr eine saubere Bewertung zĂ€hlt, was messbar ist: Cannabinoidprofil und Terpenprofil im Laborbericht.
Woher die Einteilung kommt: Linné, Lamarck und ein offener Streit
Die beiden Namen stammen nicht aus dem Handel, sondern aus zwei botanischen Erstbeschreibungen des 18. Jahrhunderts. 1753 nimmt Carl von LinnĂ© die Hanfpflanze in seine Species Plantarum auf und benennt sie als Cannabis sativa, den âangebauten Hanf“ Europas. Gut drei Jahrzehnte spĂ€ter, 1785, beschreibt Jean-Baptiste Lamarck an Pflanzenmaterial aus Indien eine zweite Form und stellt sie als eigenstĂ€ndige Art daneben: Cannabis indica.[3]
Lamarcks Kriterien waren ausschlieĂlich sichtbare Eigenschaften: Wuchsform, Verzweigung, Blattmorphologie, Herkunftsraum. Das ist klassische Morphologie, also die Beschreibung messbarer Merkmale. Eine Messung dessen, was die Pflanze beim Menschen auslöst, war in diesen Diagnosen nie vorgesehen.
Genau hier steckt der methodische Fehler, den die meisten Tabellen mitschleppen. Taxonomie ordnet Verwandtschaft: Sie beschreibt, wie nah zwei Pflanzenformen beieinanderstehen, nicht wie sie sich verhalten. Die Reihenfolge Cannabis sativa, Cannabis indica spiegelt nichts als die Chronologie zweier Publikationen.
Fachlich ist die Debatte bis heute offen. Ein Ăbersichtsbeitrag von Piomelli und Russo, 2016 zeichnet nach, wie widersprĂŒchlich die Literatur die Zuordnung als Art oder als Unterart handhabt. Die Mehrheit fĂŒhrt beides als Unterarten einer Art, andere halten an der Trennung auf Artniveau fest.[2]
FĂŒr dich heiĂt das: Lamarcks Cannabis indica und Cannabis sativa nach LinnĂ© sind ein historisches Begriffspaar mit offener FuĂnote. Wenn du dich beim sativa indica unterschied auf die Herkunft der Namen berufst, berufst du dich auf zwei Pflanzenbeschreibungen von 1753 und 1785. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Warum das Etikett heute kaum noch etwas trennt
Von der Namensgeschichte zur Messung: Seit sich Cannabis-Genome sequenzieren lassen, ist die Frage nicht mehr Auslegungssache. Man kann prĂŒfen, ob die Etiketten halten, was sie zu sortieren behaupten. Das Ergebnis ist ernĂŒchternd.
Eine Genomstudie von Sawler et al., 2015 verglich Marihuana- und Hanfproben und stellte die Handelsbezeichnungen der tatsĂ€chlichen genetischen Verwandtschaft gegenĂŒber. Die Ăbereinstimmung war nur schwach: Proben, die als Indica verkauft wurden, standen genetisch teils nĂ€her an Sativa-Bezeichnungen als an ihren eigenen Namensverwandten. Die Autoren erklĂ€ren das als Folge einer langen, undokumentierten Kreuzungsgeschichte.[5]
Genau an diesem Punkt kippt der ĂŒbliche Blick auf den unterschied indica sativa: Was heute als sativa indica sorten im Regal liegt, trĂ€gt diese Kreuzungsgeschichte in sich, nicht zwei getrennte Genpools.
Reine Linien sind selten geworden, und wo sie behauptet werden, fehlt meist eine ĂŒberprĂŒfbare Abstammung. Der Zusatz bei indica dominante Sorten beschreibt damit eine Familienrichtung, kein Laborergebnis. âDominante Sorten“ ist eine Zuordnung von ZĂŒchterseite, kein Messwert auf dem Analysezertifikat.
Widerspruch kommt auch aus der Forschung selbst. Ethan Russo, der die Fachliteratur zu Cannabinoiden seit Jahrzehnten begleitet, nennt die Sativa/Indica-Unterscheidung, wie sie im Handel verwendet wird, in einem Fachinterview von 2016 âtotalen Unsinn“: Nur eine biochemische Analyse zeige, was wirklich in einer Pflanze steckt.[2]
Das Muster ist in der Analytik gut belegt: Schon Fischedick et al. (2010) konnten elf Sorten allein ĂŒber ihr Cannabinoid- und Terpenprofil voneinander unterscheiden. Zwei BlĂŒten mit identischem Etikett können in ihren messbaren Eigenschaften weit auseinanderliegen, im VerhĂ€ltnis THC CBD wie im Terpenprofil. Die relevanten Unterschiede stehen also im Zertifikat, nicht im Namen.[6]
Die praktische Konsequenz ist unbequem, aber brauchbar: Ein Sortenname ist eine Herkunftsgeschichte, keine MessgröĂe. Er erzĂ€hlt, aus welcher Ecke eine Linie stammt und wie sie vermarktet wird.
Wenn du also nach sativa indica unterschiede suchst, um eine Auswahl zu treffen, liefert dir das Etikett zwei Dinge nicht: keine belastbare Aussage ĂŒber die Genetik und keine ĂŒber den Gehalt. Was der Name durchaus mitbringt, ist eine Aromarichtung. Und die lĂ€sst sich, anders als der unterschied sativa indica, auf einer Produktseite tatsĂ€chlich nachlesen.
Was den Unterschied wirklich prÀgt: das Terpenprofil
Ăbrig bleibt das Aroma, chemisch beschreibbar und quantifizierbar, anders als ein Etikett.
Verantwortlich dafĂŒr sind die Terpene, flĂŒchtige Isoprenoide, die Cannabis mit Kiefernnadeln, Zitrusschalen und Pfefferkörnern teilt. Sie werden in den Trichomen der BlĂŒte gebildet, jenen HarzdrĂŒsen, in denen auch die Cannabinoide entstehen. In der Pflanze sind ĂŒber 200 verschiedene Terpene beschrieben, in einer einzelnen Charge dominieren aber meist nur zwei oder drei.[1]
Der Cannabinoidgehalt sagt darĂŒber genau nichts aus. Zwei BlĂŒten mit identischer Prozentangabe können komplett verschieden riechen. Genau hier verrĂ€t eine Gaschromatographie mit Massenspektrometrie (GC-MS) im Labor mehr als jedes Sortenetikett.
FĂŒnf Namen tauchen auf Produktseiten immer wieder auf, und es lohnt sich, ihre Aromarichtung zu unterscheiden:
- Myrcen: erdig, moschusartig, hopfig
- Limonen: zitrisch, schalig, frisch
- Pinen: harzig, nach Nadelwald
- Caryophyllen: pfeffrig, holzig, wĂŒrzig
- Linalool: blumig, an Lavendel erinnernd
FĂŒr das Zusammenspiel von Terpenen und Cannabinoiden hat sich der Begriff Entourage-Effekt etabliert. PopulĂ€r wurde er durch den vielzitierten Ăbersichtsbeitrag von Ethan Russo im British Journal of Pharmacology, Russo (2011): Terpene verĂ€ndern demnach gemeinsam mit den Cannabinoiden das wahrgenommene Gesamtprofil.[1]
Und jetzt der methodisch wichtige Teil: Das ist eine Hypothese, kein Beleg. Sie erklĂ€rt plausibel, warum zwei Chargen mit gleichem Gehalt unterschiedlich beschrieben werden. Kontrollierte Nachweise am Menschen, die einzelne Effekte einzelnen MolekĂŒlen zuordnen, fehlen bislang.
Hazekamp und Fischedick (2012) schlagen deshalb vor, Cannabis nicht mehr ĂŒber die alte Zweiteilung zu ordnen, sondern ĂŒber den âChemovar“: das gemessene Profil aus Cannabinoiden und Terpenen. FĂŒr dich als KĂ€ufer lĂ€uft diese Unterscheidung auf eine einzige Frage hinaus.[7]
Damit wird aus dem sativa indica unterschied eine Frage der Aromarichtung. Grob lassen sich zwei Pole beschreiben: erdig-harzig (myrcen- und pinendominiert) auf der einen Seite, zitrisch-krÀutrig (limonenbetont) auf der anderen. Welche Richtung dir liegt, sagt mehr aus als ein Familienname aus dem 18. Jahrhundert.
Mehr braucht es zur Auswahl tatsĂ€chlich nicht. Wenn du wissen willst, wie diese MolekĂŒle aufgebaut sind, wo sie sonst im Pflanzenreich vorkommen und wie empfindlich sie auf Hitze und Lagerung reagieren, findest du das ausfĂŒhrlich unter Terpene.
Eine Produktseite lesen statt einem Etikett glauben
Das Aroma erkennt die Nase, gekauft wird trotzdem ĂŒber eine Produktseite. Und dort sind es genau vier Angaben, die analytisch etwas hergeben. Jede beantwortet eine andere Frage.
- Gehalt in Prozent, wie viel des angegebenen Cannabinoids in der geprĂŒften Charge quantifiziert wurde.
- Dominante Terpene, siehe oben, das Einzige, was vorab etwas ĂŒber Aroma und Geschmack verrĂ€t.
- Charge und PrĂŒfdatum, welches Material analysiert wurde und wann. Ohne beides ist eine Prozentzahl nur eine Behauptung; steht die Analyse nicht auf der Seite, frag sie beim Anbieter an.
- Format, BlĂŒte, Pre-Roll oder Hasch. Entscheidet ĂŒber Handhabung, Menge pro Einheit und Preis pro Gramm.
Zum Gehalt gehört ein Satz, der auf den meisten Seiten fehlt: Er ist eine analytische Kennzahl genau dieser Charge, keine Vorhersage deiner Wahrnehmung. Cannabinoide lassen sich chromatographisch sauber quantifizieren, Empfinden nicht. Wer die Methodik dahinter nachlesen will, findet sie in Fachjournalen wie Cannabis and Cannabinoid Research.
NĂŒtzlich ist die Zahl trotzdem, weil sie eine Charge mit der nĂ€chsten vergleichbar macht. Auch der Gesetzgeber rechnet in Prozent: Nutzhanf ist nach § 1 KCanG Hanf, dessen THC-Gehalt 0,3 Prozent nicht ĂŒbersteigt, und genau diese Zahl liest das Labor aus der Charge[4].
Konkret: Unsere CBD-BlĂŒten starten bei 7,50 ⏠(Stand 09/2026), jede Sorte mit Gehalt und Terpenrichtung; die Chargenanalyse gibt es auf Nachfrage beim Kundenservice. Die THCX BlĂŒten beginnen bei 23,70 ⏠(Stand 09/2026) und sind eher etwas fĂŒr Leute, die ein krĂ€ftigeres Harzprofil suchen.
Damit hast du die Grundausstattung: vier Angaben lesen, statt einem Etikett glauben.
Drei Sorten als Lesehilfe, kein Ranking
Genug Theorie, jetzt die Anwendung. Drei Namen, die dir in jedem Shop begegnen, und bei jedem gehst du dieselben drei Schritte: Woher kommt der Name, was sagt die Aromaangabe, und wo hört das Etikett auf zu informieren.
Purple Haze (21,30 âŹ, Stand 09/2026). Der Zusatz âHaze“ verweist auf eine lange gekreuzte Linie, die im Handel traditionell der Sativa-Seite zugeschlagen wird, âPurple“ auf die FĂ€rbung durch Anthocyane. Beides ist Namensgeschichte, keine Messung.
Auf der Produktseite steht dagegen eine Aromarichtung: blumig, sĂŒĂlich, beerig.
Amnesia (20,40 âŹ, Stand 09/2026). Ein Klassiker mit zitrisch-krĂ€utriger Nase, laut Produktseite deutlich frischer als Purple Haze. Wenn du diese Sorte ausfĂŒhrlich lesen willst, findest du sie in Amnesia im PortrĂ€t.
Purple Haze und Amnesia gelten beide als eher sativa-geprĂ€gt, riechen aber völlig unterschiedlich. Hier ĂŒbernimmt die Aromaangabe.
Sour Diesel (26,70 âŹ, Stand 09/2026). Der Name kommt aus der Nase, nicht aus der Botanik: scharf, kraftstoffartig, sĂ€uerlich. Hier ist THCX drauf; das Aromaprofil steht auf der Produktseite.
Bei so einem Produkt zĂ€hlt die PrĂŒfangabe doppelt: Jede Charge wird im Labor auf klassifizierte MolekĂŒle untersucht, und den Laborbericht der Charge bekommst du auf Nachfrage beim Kundenservice, auf dem Etikett steht er nicht.
Und weil manche Sortennamen lĂ€ngst gar keine Familienrichtung mehr behaupten, sondern ausschlieĂlich ein Aroma: Gelato 33 und Strawberry Kush zeigen das ziemlich deutlich.
Neben sativa und indica fĂŒhrt die Botanik gelegentlich Cannabis ruderalis als dritte, wissenschaftlich umstrittene Form. FĂŒr Sorten im Handel spielt dieser Name praktisch keine Rolle.
Wozu die Einteilung trotzdem noch taugt
Nach dieser Einordnung bleibt eine faire Frage: Wenn ein Sortenname analytisch so wenig hergibt, warum steht er dann ĂŒberhaupt noch auf jeder Verpackung? Weil er zwei Dinge leistet, die kein Messwert leistet. Er ordnet taxonomisch ein, und er kĂŒndigt ein Aromaprofil an.
Als grobe Familienbezeichnung ist das Begriffspaar durchaus brauchbar. Wer von Landsorten aus Regionen nahe Ăquator spricht, benennt eine Herkunftsrichtung, kein Wirkprofil. Und wenn auf einer Seite âindica dominante“ steht, ist das eine Erwartung an die Nase, meist erdig-harzig, nicht mehr und nicht weniger.
Genau dort verlĂ€uft die Grenze, und sie ist nicht verhandelbar. Deshalb gehören Aussagen ĂŒber Wachheit oder MĂŒdigkeit auf keine Produktseite, auch nicht in abgeschwĂ€chter Form.
Bleiben also die drei Angaben, an denen du dich tatsÀchlich orientieren solltest, wenn du den sativa indica unterschied praktisch nutzen willst:
- Der Gehalt: ob CBD Gehalt oder THC Gehalt, es ist ein Messwert der geprĂŒften Charge, ermittelt im Labor und nicht in der Werbetexterei.
- Die dominanten Terpene: die einzige Angabe, die dir vorab verrÀt, wonach es riecht.
- Das Format: BlĂŒte, Pre-Roll oder Hasch entscheiden ĂŒber Handhabung, Dosierbarkeit im Alltag und Aufwand.
Willst du gar nicht inhalieren, verschiebt sich die Frage ohnehin. Bei nicht inhalierten Formen wie CBD-Ăl spielt die Wuchsform der Ausgangspflanze praktisch keine Rolle mehr, dort zĂ€hlen der deklarierte CBD-Gehalt und das TrĂ€geröl. Die Botanik des 18. Jahrhunderts steht dann endgĂŒltig nicht mehr auf dem Etikett.
Fazit
Damit liegt der Befund auf dem Tisch: eine Namensgeschichte, die analytisch kaum trÀgt, und ein Terpenprofil, an dem du dich tatsÀchlich orientieren kannst.
Format bleibt Geschmackssache, Cannabinoidgehalt, Terpene und Chargendaten machen den Unterschied.
HĂ€ufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Indica und Sativa?
Der Unterschied ist historisch ein Wuchsunterschied, kein Wirkungsunterschied: Indica wÀchst niedrig und buschig mit breiten Blattfingern, Sativa hoch und schlank mit schmalen Blattfingern. Botaniker fassen beide heute als eine polymorphe Art, Cannabis sativa L., zusammen, da jahrzehntelange Kreuzungen die Linien vermischt haben.
Sind Indica und Sativa zwei verschiedene Arten?
Nein. Die Systematik fĂŒhrt beide ĂŒberwiegend als Formen einer einzigen Art, Cannabis sativa L.; ob man sie als Unterarten oder als eigene Arten fĂŒhrt, ist in der Fachliteratur bis heute nicht abschlieĂend geklĂ€rt.
Stimmt es, dass Indica beruhigt und Sativa anregt?
Diese Zuschreibung stammt aus Foren und Shopbeschreibungen, nicht aus der Botanik oder einer Messung. Lamarcks Kriterien betrafen nur sichtbare Merkmale wie Wuchsform und Blattmorphologie, nie eine Wirkung. AussagekrÀftiger sind Cannabinoidprofil und Terpenprofil, die im Laborbericht einer Charge stehen.
Gibt es ĂŒberhaupt noch reine Indica- oder Sativa-Sorten?
Kaum: Im Handel ist praktisch alles hybrid, reine Sativa- oder Indica-Sorten sind die Ausnahme. Eine als âindica dominant“ bezeichnete Sorte meint lediglich ein MischungsverhĂ€ltnis innerhalb einer Hybride, keine eigenstĂ€ndige zweite Pflanzenart.
Welche Rolle spielen Terpene?
Terpene sind flĂŒchtige Isoprenoide, die in den Trichomen der BlĂŒte gebildet werden und das Aroma prĂ€gen, etwa Myrcen (erdig-hopfig) oder Limonen (zitrisch-frisch). Von ĂŒber 200 beschriebenen Terpenen dominieren in einer Charge meist nur zwei bis drei, und sie sind die einzige Angabe, die vorab etwas ĂŒber den Geschmack verrĂ€t.
Was sagt der angegebene Gehalt ĂŒber die Wahrnehmung aus?
Der Gehalt in Prozent, ob THC oder CBD, ist eine analytische Kennzahl genau der geprĂŒften Charge, keine Vorhersage der individuellen Wahrnehmung. Cannabinoide lassen sich chromatographisch sauber quantifizieren, das Empfinden dagegen nicht, weshalb Charge und PrĂŒfdatum stets mitangegeben sein sollten.
Woran erkenne ich, welche Sorte zu mir passt?
Statt dem Sortennamen zu vertrauen, lohnt sich der Blick auf drei Angaben der Produktseite, Gehalt in Prozent, dominante Terpene und Format wie BlĂŒte, Pre-Roll oder Hasch, dazu die Chargenanalyse mit PrĂŒfdatum, die es auf Nachfrage gibt. Letzteres entscheidet zusĂ€tzlich ĂŒber Handhabung und Preis pro Gramm.
Quellen
- Russo EB (2011). Taming THC: potential cannabis synergy and phytocannabinoid-terpenoid entourage effects. Br J Pharmacol 163(7) â pmc.ncbi.nlm.nih.gov
- Piomelli D, Russo EB (2016). The Cannabis sativa Versus Cannabis indica Debate: An Interview with Ethan Russo. Cannabis Cannabinoid Res 1(1) â pmc.ncbi.nlm.nih.gov
- McPartland JM (2018). Cannabis Systematics at the Levels of Family, Genus, and Species. Cannabis Cannabinoid Res 3(1) â pmc.ncbi.nlm.nih.gov
- § 1 KCanG â Begriffsbestimmungen (Konsumcannabisgesetz), gesetze-im-internet.de â www.gesetze-im-internet.de
- Sawler J et al. (2015). The Genetic Structure of Marijuana and Hemp. PLOS ONE 10(8) â journals.plos.org
- Fischedick JT et al. (2010). Metabolic fingerprinting of Cannabis sativa L., cannabinoids and terpenoids for chemotaxonomic and drug standardization purposes. Phytochemistry â europepmc.org
- Hazekamp A, Fischedick JT (2012). Cannabis – from cultivar to chemovar. Drug Test Anal â europepmc.org















